Mittwoch, 3. Februar 2010

„Hauptsache auffallen“

„Seinen Pop-Up Store inszenierte er wie ein Event, mit Countdown am Fenster, Twitter-Account und täglichen Blogeinträgen. Auf barer80.blogspot.com zeigte sich der Ladenbetreiber auch schon mal nackig. Hauptsache auffallen.
Seiner Meinung nach müssten Buchhändler umdenken, um konkurrenzfähig zu bleiben: 'Buchhandlungen müssen sich ein Profil geben, um so die Kunden an sich zu binden.' Zuvor hatte er seine Ideen schon mit einigen Ladenbesitzern besprochen. 'Aber die waren ihnen zu durchgeknallt.'
Übersprudelnd erzählt Dorin Popa von seinen Vorstellungen, Buchläden wie Kunstgalerien zu gestalten. 'Mit einem einzigen Buch in der Mitte oder wöchentlichem Umdekorieren und zwar radikal.' Er glaube, dass die Buchhändler alle Marketinggeräte bedienen müssten, um erfolgreich zu sein. 'Der Buchhändler von heute muss eine Internetseite haben, bloggen und twittern.'“

Martina Kollroß in „mucs“, dem „münchen magazin der Jungen Volkshochschule“

Kommentare:

Hans hat gesagt…

Jetzt mit Werbung!

Dorin Popa hat gesagt…

Ich bin jung und brauche das Geld!

NanaConejita hat gesagt…

Ich weiß nicht...Irgendwie ist ihre Idee nicht schlecht. Sicher..aber...Warum? Es gibt immer noch Menschen die lesen und es gibt finde ich auch immer mehr junge Menschen die lesen. Gut, die lesen auch viel Scheiß, aber sie lesen. Auch gerade Kinder kaufen ihre Bücher auch nicht imn Internet. Und die schenkenden Onkel und Tanten auch nicht.
Was einen in den Buchladen treiben sollte, anstatt zu ebay oder Amazon ist doch die Beratung, das Ambiente, die besondere Beziehung zum Buchhändler um die Ecke. Ich bezahle lieber 3€ mehr und unterstütze damit die leute bei mir imbuchladen, als das ich 3€ weniger zahle, dafür aber porto drauflegen muss und den halben tag zu hasue warten muss,d ass der postbote meine bestellung bringt.
einfach weil ich sie gerne habe und sie mir und meinen büchern nah sind.
Sind sie ihren Kunden nah? oder entfernen sie sich nichtund werden zu reinen Kuriosität. kauft man oder schaut man nur? Wird das Lesen bei ihnen und durch ihre Taktik nicht zu Nebensache?

Dorin Popa hat gesagt…

Wir können und wollen weder Amazon, noch den Buchhändler um die Ecke ersetzen, sondern vielmehr ergänzen.

Allein schon, weil wir immer dann bereits wieder zu machen, wenn die Leute sich eben erst an uns gewöhnt haben, nach 100 Tagen eben.

Das erleichtert so manches: So können die Nachbarn weiter bei Amazon bestellen, weil der Paketbote die Sendungen bei uns abgibt, wo man sie dann bis 20 Uhr abholen kann ;-)

Aber wir sind mit Sicherheit keine Freakshow, das Lese steht im Mittelpunkt, gerade weil wir nicht das 08/15-Sortiment an Novitäten und Bestsellern führen, wie es 90 Prozent der Buchhandlungen haben.

Bei uns gibt es immer ein sehr buntes, internationales Sortiment der letzten dreißig Jahre, und es fällt immer auf, wie die Leute den Laden skeptisch betreten, erst einmal von der Menge der Bücher (kaum Stapelware, fast alles Einzelstücke) nahezu erschlagen werden, dann jenes, dann dieses entdecken, Bücher, die sie noch aus ihrer Jugend kennen, oder Titel, von deren Existenz sie nicht einmal ahnten, immer mehr Zeit vergeht und die Kunden wie in Treibsand versinken.

In einer Ära, in der die Halbwertszeit von Büchern stetig abnimmt und die Backlist zugunsten einer Novitätenraserei vernachlässigt wird, verstehen wir uns durchaus als Oase der Literatur.

Wobei mein Literaturbegriff eben nicht ausschließt, daß man im laden Musik hört, miteinandert Spaß hat oder verrückt umdekoriert.

Nächstes Mal wird der Schwerpunkt wohl noch mehr aufs Lesen gesetzt werden, aber dazu mehr, sobald es spruchreif ist.

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
tanja hat gesagt…

Ich finde auch das ein ausgebildeter Buchhändler, der einen entsprechenden Überblick über das Sortiment hat, nicht durch Internetanbieter ersetzt werden kann. Gerade im Sachbuchbereich und in wissenschaftlichen Segmenten ist eine Fachkenntnis des Verkäufers oder Bibliothekars doch unersetzlich. Das wurde mir erst letztens wieder bewusst, als ich ein Standardwerk, genaugenommen
d a s Standardwerk, über Kunstgeschichte für meinen Sohn suchte. Im Internet konnte ich zwar eine ganze Palette verschiedener Enzyklopädien zum Thema erwerben, aber entschieden habe ich mich doch für die Abhandlung die mir im Kunstbuchfachhandel empfohlen wurde. Die Geschichte der Kunst von Ernst Gombrich. Ein Volltreffer!

Dorin Popa hat gesagt…

Grundsätzlich gebe ich Tanja recht, wobei es natürlich voraussetzt, eine Fachbuchhandlung in der Nähe zu haben respektive einen kompetenten Buchhändler.
Ich habe auch schon übers Internet Buchtitel aufgrund vager Stichworte recherchiert, auf die ein Buchhändler nie gekommen wäre (wobei man das so gefundene Buch dann natürlich auch im Laden ebstellen sollte.)
Mindestens ebenso wichtig finde ich aber das Vergnügen in einer richtigen Buchhandlung die Bücher sehen, anfassen, durchblättern zu können.
Die Tücken der Blindbestellung kennt man ja auch als Buchhändler selbst, wenn man beim Barsortiment oder Verlag auf Verdacht einen Titel allein aufgrund seiner Katalogdaten bestellt. Gerade Sachbücher können dann sehr enttäuschen.