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Sonntag, 3. März 2024

R.I.P. Willi Johanns

R.I.P. Willi Johanns. Einer unserer treuesten Stammkunden mit einem Faible für Bücher über Folter, Mörder und die Todesstrafe. 

Im „Spy Magazin“ habe ich ihn 2009 als „Der Sammler“ beschrieben: „Er riecht gut, nach Offizier und Gentleman und Knize Ten, trägt einen Oberlippenbart und ist auch sonst nicht von dieser Welt, entstammt vielmehr dem Kosmos Aubrey Beardsleys und der Münchner Secession. Stundenlang vermag er sich über Erstdrucke und Erotica auszulassen, sich selbst dabei sein liebster Zuhörer, und jedes Mal, wenn ich ihn durchs Akademieviertel streifen sehe und wieder ein Jahr verstrichen ist, nehme ich mir aufs Neue vor, ihn mit all seinen Schätzen und Anekdoten in einen Videopodcast zu bannen, wohl wissend, dass die Magie dann dahin wäre und er seinen Reichtum niemals mit einem Kameraobjektiv teilen würde, aber gern mit einer Zufallsbekanntschaft auf der Straße.“



Montag, 23. November 2009

Jedes Buch ein Blick in die Seele

Buchhandlungen waren schon immer ein vertrauter Ort, aber erst mit Kurt Nane Jürgensens Universum-Buchladen in der Hirschbergstraße bekam ich erstmals Einblicke hinter die Kulissen. Es folgte das gemeinsam gegründete „Münchner Buch-Magazin“, meine Zeit als Verlagsbuchhändler und dann noch mal eine Woche an der Kasse bei Dinus Buch & Billig in der Frankfurter Berger Straße. Aber zwei eigentümliche Phänomene habe ich erst mit den 100 Tage Bücher wahrgenommen: Jeder scheint sich zu freuen, wenn man eine Buchhandlung aufmacht. Und Bücher kaufen ist etwas sehr persönliches, denn jeder Kunde gewährt einen kleinen Blick in die Seele, wenn er seine Lieblingsautoren und Sammelgebiete offenbart. Eine Vertrautheit, die nicht nur mit den Stammkunden erwächst, sondern bei fast jedem flüchtigen Käufer sekundenschnell da ist.
Über Willi Johanns meinte ich daher erst recht eine ganze Menge zu wissen. War er, den ich immer nur „den Sammler“ nenne, nicht schon in der Barer Straße 2007 ein treuer Stammkunde? Sorgte er mit seinen unaufhörlichen Schnurren aus der Welt der Buchkunst, Privatdrucke und Antiquariate nicht für den Wunsch, das alles mal in einem Podcast für die Nachgeborenen aufzuzeichnen? Kommt er nicht auch in der Reichenbachstraße zwei bis drei Mal die Woche, um sich Buch für Buch vorzunehmen?
Und doch habe ich erst dieser Tage erfahren, was mein „Sammler“ beruflich macht. Nicht umsonst lauschte er mit mir zusammen im Laden ganz versonnen, wenn Judy Garlands „Live at Carnegie Hall“ im Shuffle kam. Johanns singt, in der „Jazztime“ des BR-Klassikkanals wurde neulich einer seiner Auftritte ausgestrahlt und am 8. Dezember widmet ihm die Redaktion sogar ein ganzes Porträt. Heute Abend tritt er nun mit dem Harald Rüschenbaum Orchestra in der Unterfahrt auf. Wir sehen uns hoffentlich alle dort!

Update:
Willi Johanns ist am 28. Januar 2024 in München gestorben. Die Trauerfeier ist am 8. März um 9 Uhr im Krematorium des Ostfriedhofs.
Video vom Willi Johanns als Scat-Sänger bei der Jazzwoche Burghausen 1990.
Wiederholung einer BR-Klassik „Jazztime“ von 2009 über Mr. Bebop Willi Johanns (1. Teil, 2. Teil) anläßlich seines 90. Geburtstags.
Nachruf der „Süddeutschen Zeitung“.
Nachruf von BR-Klassik.

Donnerstag, 29. November 2007

Stammkunden: Beau Geste

Es würde mich nicht sonderlich empören, wenn man uns als literarische Resterampe bezeichen würde. Wir haben zwar das eine oder andere bibliophile Juwel und viele lesenswerte Bücher, aber das alles doch eher in einem ungeordneten, verstaubten Zustand. Und unsere Bücher bieten sich an wie eine ehrwürdig ergraute Straßendirne, nicht gerade taufrisch, mit viel Charakter, aber wohlfeil, an der erstbesten Ecke. Bei manchen Parisern Antiquaren läuft das weit stilvoller ab: Unter den Augen einer Mademoiselle kann man in den Regalen herumstöbern, wo aber nur Belangloses auf eine ahnungslose Klientel wartet. Zeigt man sich unzufrieden mit der Auswahl, führt einen die Verkäuferin gnadenvoll zu einer Glasvitrine mit der nächstbesten Auswahl. Will man dann immer noch ohne Kauf davonziehen, läßt sich der Inhaber vielleicht dazu herab, plötzlich zu erscheinen, ein interessantes Buch in der Hand. Je nachdem, wie der Kunde dieses eine Buch behandelt und begutachtet, erlaubt ihm der Inhaber dann vielleicht den Zugang zu den Schätzen im Hinterzimmer. Einer dieser besseren Stammkunden der Antiquare zwischen Paris und Wien, ein ausgesprochener Gentleman, beehrt auch mich gelegentlich. Ein pensionierter Grafiker, Jäger bibliophiler Raritäten, der auch bei uns hin und wieder Schönes zu Themen wie Dandy oder Duelle findet. Danach duftet der Laden noch lange nach einem unverwechselbaren Mix aus reifem Herrn und interessantem Parfum (Knize?) und in meinen Ohren hallen zahllose Anekdoten von George Grosz, Aubrey Beardsley und obskuren Privateditionen nach. So sehr, daß ich ihm das nächste Mal vorschlagen werde, einen regelmäßigen bibliophilen Videopodcast mit seinen Schätzen und Schnurren einzurichten.

Freitag, 23. November 2007

Montag, 19. November 2007

Porno-Konkordanz

Fleißige Kunden kaufen nicht nur ihre Bücher bei uns, sondern machen mehr daraus. Wie der Schellingblogger, der eine Strichliste der einschlägigen Wörter aus „Jet Sex“ erstellen will. Ich muß aber aufs heftigste dementieren, daß wir am Sonntag geöffnet hätten...

Freitag, 2. November 2007

STark!

Nach zahllosen STudentinnen hat mich heute die erste STewardess beehrt!

Samstag, 13. Oktober 2007

Doppelt schön

Dank unserer Vinylscheiben und der Möglichkeit, CDs wie „Fritz Wunderlich 1956 - 1958, Die frühen Jahre“ zu bestellen, haben wir jetzt Stammkunden, die uns für den Schwabylon-Blog qualifizieren... Die beiden Stefan und Christian Öhlschläger kann man, wesentlich schärfer, auch in Herlinde Koelbls Bildband „Haare“ bewundern!

Freitag, 12. Oktober 2007

Samstag, 6. Oktober 2007

Hoher Besuch

Überraschungsauftritt von Narziß und Goldhund auf der Jagd nach kompromittierenden Bildern.

Freitag, 5. Oktober 2007

Stammkunden: Der Fotoliebhaber

Das erste Mal (gleich am ersten Tag?) kaufte er das halbe Sortiment schwuler Bildbände auf. Als ich ihn beim zweiten Besuch auf die neu eingetroffene Homo-Ware hinwies, reagierte er pikiert: „Ich sammle erotische Fotografie“ und stürzte sich auf unsere große Auswahl schöner Frauen in schönen Posen. Beim dritten Großeinkauf bat er mich, zukünftig alle neu eintreffenden, entsprechenden Titel für ihn zurückzulegen. Ius primae noctis. Ich hab's zugegebenermaßen nicht gemacht. Weil mir Großeinkäufer suspekt sind und ich unsere Bücher möglichst breit streuen will. Beim letzten Mal kaufte er dann nichts. „Die Bücher habe ich alle bereits.“ Oder doch Abstrafung fürs Nichtzurücklegen?

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Stammkunden: Mr. Plastic Bags

So shall our English youth urge on, and cry
'An Agincourt! an Agincourt! or die!'
William Shakespeare: „Henry V“

Täglich schaut er bei uns herein, ein älterer Herr, korrekt im Anzug, mehrere Plastiktüten in der Hand, die die Einkäufe seines täglichen Bedarfs enthalten. Und seit ein paar Tagen zählen wir dazu oder vielmehr Wordsworth Military Library, die von Julius Caesar über die Kreuzritter und Henry V bis hin zu den Weltkriegen alle wichtigen Schlachten umfassend abhandelt. Jeden Tag sichtet der Herr im Rentenalter den Stapel, den ich immer eigens für ihn so aufschichte, damit er ihn bequem durchstöbern kann, und kauft zwei Bände.