Montag, 23. November 2009

Jedes Buch ein Blick in die Seele

Buchhandlungen waren schon immer ein vertrauter Ort, aber erst mit Nane Jürgensens Universum-Buchladen in der Hirschbergstraße bekam ich erstmals Einblicke hinter die Kulissen. Es folgte das gemeinsam gegründete „Münchner Buch-Magazin“, meine Zeit als Verlagsbuchhändler und dann noch mal eine Woche an der Kasse bei Dinus Buch & Billig in der Frankfurter Berger Straße. Aber zwei eigentümliche Phänomene habe ich erst mit den 100 Tage Bücher wahrgenommen: Jeder scheint sich zu freuen, wenn man eine Buchhandlung aufmacht. Und Bücher kaufen ist etwas sehr persönliches, denn jeder Kunde gewährt einen kleinen Blick in die Seele, wenn er seine Lieblingsautoren und Sammelgebiete offenbart. Eine Vertrautheit, die nicht nur mit den Stammkunden erwächst, sondern bei fast jedem flüchtigen Käufer sekundenschnell da ist.
Über Willi Johanns meinte ich daher erst recht eine ganze Menge zu wissen. War er, den ich immer nur „den Sammler“ nenne, nicht schon in der Barer Straße 2007 ein treuer Stammkunde? Sorgte er mit seinen unaufhörlichen Schnurren aus der Welt der Buchkunst, Privatdrucke und Antiquariate nicht für den Wunsch, das alles mal in einem Podcast für die Nachgeborenen aufzuzeichnen? Kommt er nicht auch in der Reichenbachstraße zwei bis drei Mal die Woche, um sich Buch für Buch vorzunehmen?
Und doch habe ich erst dieser Tage erfahren, was mein „Sammler“ beruflich macht. Nicht umsonst lauschte er mit mir zusammen im Laden ganz versonnen, wenn Judy Garlands „Live at Carnegie Hall“ im Shuffle kam. Johanns singt, in der „Jazztime“ des BR-Klassikkanals wurde neulich einer seiner Auftritte ausgestrahlt und am 8. Dezember widmet ihm die Redaktion sogar ein ganzes Porträt. Heute abend tritt er nun mit dem Harald Rüschenbaum Orchestra in der Unterfahrt auf. Wir sehen uns hoffentlich alle dort!

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